Undtot - Kapitel 13: Noah´s Blick zurück

Das Hämmern in Noahs Kopf wurde immer lauter. Kopfschmerzen waren nichts dagegen. Das Gemurmel, dass sich dazu mischte fing ganz langsam an konkreter zu werden. Ein einzelner Name tauchte immer wieder auf - Giodina. Sein Nachname.
Agent Giodina, machen Sie die Tür auf!“, schrie ein Mann außerhalb seiner Wohnung.
Bekleidet nur mit einer Unterhose öffnete Noah die Tür. Vor ihm standen zwei vollständig in schlecht sitzende schwarze Anzüge gepresste Schränke mit Miniheadsets im Ohr, welches der griesgrämmigere von beiden nun berührte.
Basis, hier Team 2. Wir haben ihn. Brechen in 10 Minuten auf.“, sprach er in sein Handgelenk und wendete sich dann Noah zu.
Agent Giodina. Sie haben fünf Minuten um sich anzuziehen. Kein Duschen, kein Zähneputzen. Nichts mit Wasser!“
Ich glaube nicht, dass ich mit meinem Kater irgendwohin sollte. Sie wollen doch nicht ihr schönes Auto putzen.“ Er sah an den beiden vorbei zu dem schwarzen Geländewagen, hinter dessen Steuer ein weiterer Schrank saß.
Machen Sie sich keine Sorgen. Sie haben zwei Stunden Fahrzeit um sich auf das Treffen mit dem Verteidigungsminister vorzubereiten.“ Erst jetzt dämmerte es Noah, dass er vielleicht besser einlenken sollte.
Gebt mir 15 Minuten.“ Er drehte sich um und verschwand im Arbeitszimmer. Der Agent rief ihm hinterher. „Sie haben 5! KEIN WASSER.“ Dann betrat auch er die Wohnung und ging sicher, dass Noah sich daran hielt.

 

Als sie nach 20 Minuten aufbrachen, hatte Noah zumindest seinen Anzug angezogen und das nötigste an Ausweisen, Laptop und seine Dienstwaffe mitgenommen.
Im Auto übergab ihm einer der Männer ein Dossier mit Unterlagen auf die er sich vorbereiten sollte. Er hatte solche Aufgaben schon oft erhalten. NSA. CIA. FBI. In den 15 Jahren Dienstzeit hatte er schon für alle wichtigen gearbeitet. Diesmal war es dann wohl der Heimatschutz, wie er an dem großen Logo auf der Vorderseite erkannte. Er brach das hintere Siegel auf und breitete alles wichtige auf seinem Schoß aus.
Hätte er in diesem Moment nach draußen geschaut, wäre ihm vielleicht schon aufgefallen, dass etwas nicht stimmte. Kaum Autos auf der Straße und in den Gassen patrouillierte das Militär. Kurz darauf riskierte er einen Blick raus, da hatten sie aber schon die Stadtgrenze hinter sich gelassen und fuhren über Land, wo es nichts auffälliges mehr zu sehen gab.
Seinen neuen Ausweis heftete sich Noah an die Brust und fing dann an zu lesen. Nach dem ersten Mal durcharbeiten konnte er sich nicht zwischen Erstaunen und Skepsis entscheiden. Auch ein zweites, drittes und viertes Mal konnte ihm das vorgelegte Rätsel nicht entwirren. Nach genau zwei Stunden kamen sie in Denver an und hielten vor einem Gebäude des Heimatschutzes. Noah hatte sich alle Details gemerkt. Von den Versuchen mit dem Virus bis zu dem unerklärlichen Massensterben im Camp Rigor vor 16 Stunden. Er wusste nicht ob er bereit war, aber der Verteidigungsminister würde es von ihm verlangen.
Noah ließ die Eingangshalle hinter sich und folgte den Agenten in einen Fahrstuhl. Sie fuhren diverse Stockwerke tiefer, welche nicht näher bezeichnet waren und hielten dann in einem Laborkomplex im untersten Stock.
Nach ein paar mal links und rechts abbiegen gelangten sie in einen Raum vor dem die Agenten stehen blieben und nur Noah Einlass gewährt wurde. Der Oberbefehlshaber aller Streitkräfte stand vor einem Lageplan. Um ihn scharrten sich ein halbes Dutzend Wissenschaftler die etwas zu erklären versuchten.
Ah, endlich. Mein bester Mann.“ Begrüßte ihn der Verteidigungsminister. Noah wusste, dass dies nichts gutes zu bedeuten hatte. Er war ihm schon oft begegnet, immer war er mies gelaunt und äußerst gereizt. Gute Laune ließ ihn in seinen Augen bedrohlicher wirken als wenn er eine Waffe in der Hand gehalten hätte.
Sir?“
Dr. Krumble darf ich Ihnen Agent Giodina vorstellen? Er wird das Paket X übergeben.“
Noah wusste nicht war er meinte, denn davon stand nichts in seinen Unterlagen. „Ok, dann erkläre ich ihnen kurz den Sachverhalt, Agent.“, sagte der Doktor und trat vorne an den bereitgestellten Laptop. Nach einer halben Stunde war er von allem im Bilde. Auch davon, dass ein Großteil der Bevölkerung bereits in den Morgenstunden 'geimpft' worden war. Er kam mit allem zurecht, bis sie ihm Patient X zeigten.

Agent Giodina, darf ich sie Noah nennen?“
Natürlich, Doktor.“
Fein. Also Noah, dass hier ist Corporal Stevensson. Er war einer der Freiwilligen die sich den Impfstoff haben spritzen lassen.“, erklärte Dr. Krumble. Der Untote wandelte in dem kleinen beleuchteten Raum von links nach rechts. Haut hing in Fetzen von ihm herab und er hatte einen halben Arm verloren.
Bis vor 16 Stunden war alles genauso, wie ich es mit meinem Team voraus berechnet habe. Dann jedoch passierte ein furchtbares Missgeschick, welches Corporal Stevensson zu diesem...'Vieh' werden ließ.“
Noah schaute durch das Plexiglas auf den Soldaten. „Habe ich das vorhin richtig verstanden, Doktor? Er hat sich beim Rasieren geschnitten und durch das Wasser ist der Virus mutiert? Und der gesamte Stützpunkt ist ausgelöscht?“
Ja, so leid es uns tut.“
Der Verteidigungsminister trat an Noah heran. „Agent Giodina. Sie sind der beste Mann für den Job. Sie haben schon einige schlimme Dinge mitgemacht.“
Ja, Sir. Bisher gab es auch immer noch Hoffnung.“
Agent, die gibt es auch jetzt.“ Er wandte sich von Noah ab und richtete sein Wort an Dr. Krumble. „Doktor, zeigen Sie ihm die Mission.“
Eine Karte wurde eingeblendet, welche die östliche Hälfte der USA zeigte.
Hier sehen Sie Denver. Sie bringen Patient X auf dem schnellsten Weg nach Seattle.“ Eine andere Karte wurde eingeblendet und der Doktor tippte mit seinem Zeigestock auf verschiedene Punkte. „Wir haben, nachdem wir feststellen mussten, dass das Virus bei Blutkontakt reaktiviert wird, alle möglichen Wassersysteme außer Kraft gesetzt, aber für die meisten kam es zu spät. Die einzigen bisher nicht bedrohten Städte sind Boston, Denver, Seattle und Miami. Jedenfalls von den Größeren.“ Die Karte sprang wieder um.
Wir haben wegen der strategischen Lage daher Seattle ausgewählt.“ Ein Schiffssymbol tauchte auf.
Die 'Hope', Flugzeugträger der vierten Kategorie wird in 44 Tagen in Seattle eintreffen und eine Woche bleiben. Sie sollten bis dahin dort sein und Patient X an Board bringen. Er muss unbedingt nach Japan gelangen, näheres dazu finden Sie in den weiteren Unterlagen. Es werden zwei Soldatenteams mit Ihnen reisen. Viel Glück, Agent.“
Noah konnte es nicht fassen. Passierte das gerade wirklich?
Sirenengeheul ertönte und rote Lampen blinkten auf. Ein Nachrichtenoffizier betrat den Raum und sprach mit dem Verteidigungsminister, bevor dieser das Wort an alle im Raum wandte.
Soeben erhalte ich die Mitteilung, dass es eines dieser Dinger..“, er zeigte auf Patient X, „..an Board der Präsidentenmaschine geschafft hat. Die Airforce One ist über Utah abgestürzt. Die mitfliegenden F-16 melden keine Überlebenden.“
Langsam ließ der Verteidigungsminister das Blatt sinken und wandte sich Noah zu.
Ihr Job ist wichtiger denn je!“
Die Sirene wurde lauter und drang durch alle Ebenen und der Nachrichtenoffizier kam erneut in den Raum gestürzt. „Sir, die Stadt wird überrannt.“ Alle sahen auf die Bildschirme, auf denen nach und nach Bilder von den Überwachungskameras eingespielt wurden. Eine Horde von mehr als 1000 Untoter zog durch die Anlage rund um den Komplex. Die Soldaten an der Pforte setzten sich zur Wehr, waren aber einer solchen Masse nicht gewachsen.
Der Verteidigungsminister lief mit ein paar Soldaten und Noah durch die Gänge Richtung Parkdeck. Eine weitere Truppe hatte den Untoten in ein Gitterkonstrukt gezwängt und schob ihn hinter ihnen her.
Auf dem Parkdeck stand ein Ford SUV bereit und man verlud den Untoten gefesselt und geknebelt in den Kofferraum.
Hier sind ihre Missionsunterlagen, Agent. Seien Sie vorsichtig.“ Der Verteidigungsminister legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Seien Sie pünktlich dort. Das Schiff wartet nicht ewig.“

Nach etwas mehr als 90 Minuten Fahrzeit hatte er dann beide Begleitfahrzeuge verloren. Sie hatten versucht eine Brücke einzunehmen um Zeit zu sparen, waren aber in der einen Richtung von Zivilisten mit Waffen in Schacht gehalten worden um dann von hinten von Untoten überrannt zu werden. Nur Noah hatte es geschafft und sich dann allein nach ein paar Tagen bis zur Tankstelle vorgekämpft, wo er auf Robert und die anderen stieß. Er fragte sich, ob er sie nochmal wieder treffen würde. Patient X war ihm inzwischen nicht mehr wichtig, seine Mission hieß nun Überleben.

1 Kommentar:

  1. Ich bin echt froh, dich wiedergefunden zu haben! :) Deine Charaktere sind schön lebendig, bzw untot beschrieben und die Geschichte ist herrlich flüssig und unterhaltsam. Ich freue mich auf das nächste Kapitel!

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