Undtot - Kapitel 12: Noah's Arche

Lautes stöhnen drang zu ihnen in den Container, als die knapp 50 Untoten an ihnen vorbei zogen. Immer wieder liefen sie seitlich an den LKW. Erst als kein Geräusch mehr zu ihnen drang, erlaubten sie sich wieder normal zu atmen.
Der fremde Mann trat an die Tür und schob sie wieder auf damit Licht eindringen konnte. Vorsichtig spähte er die Lage aus und als er sie für gut genug befand, stieß er die Tür so weit auf, dass sie an die Außenseite des LKW klatschte. Die Gruppe schaute sich um und fand neben zwei Kanistern mit Benzin auch einen bunten Haufen an Nahrungsmitteltüten. Robert wollte dem Fremden gerade für ihre Rettung danken, als er die Schrottflinte in seiner Hand sah.

 

 Er schwenkte sie einmal von links nach rechts und ließ sie dann sinken. Scheinbar hielt er sie für keine ernst zu nehmende Gefahr.
Hi, ich bin Noah.“ Der Fremde war hoch gewachsen aber recht dürr und trug einen ungleichmäßigen Vollbart. Vom Typ her war er Italiener.
Und wir sind sehr froh, dass sie uns geholfen haben.“, entgegnete ihm Vivian bevor sie an ihm vorbei hinaus in die Sonne trat. Robert schüttelte die Hand des Fremden.
Ich bin Robert. Die Dame dort unten heißt Vivian. Und das hier sind Mike und Ben.“
Das mit der Dame hab ich gehört.“ schnaubte sie ein wenig gekünzelt.
Wo kommt ihr her?“, der Fremde nahm sich einen Schockoriegel von seinem Stapel und biss herzhaft hinein.
Wir haben uns in Exeter getroffen, im hiesigen Krankenhaus das überrannt wurde. Und sie?“
Ich komme aus Denver und war gerade unterwegs nach Seattle als es geschah. Gestern ist dann mein Auto verreckt und ich wollte mir hier ein Neues suchen. Heute früh wollte ich eigentlich weiter, aber zu eurem Glück hab ich verschlafen.“ Noah musste bei dem Gedanken grinsen, dass sein ausgeprägter Sinn fürs Schlafen auch mal etwas gutes bewirkte.
Sieht es in Denver ähnlich aus wie hier?“, wollte Mike wissen, seine Tante lebte in einem der Vororte. Bisher war er nicht dazu gekommen es den anderen zu erzählen.
Noah überlegte, wie viel er den Fremden erzählen konnte. Was würden seine Vorgesetzten davon halten? Gab es überhaupt noch Vorgesetzte oder die Regierung im Allgemeinen?
Ach, scheiß drauf.“ Alle blickten ihn verdutzt an, während er vom LKW sprang und einmal kurz in die Sonne blickte. „Wisst ihr was, ihr sollt die Wahrheit erfahren. Wer weiß, ob wir alle den morgigen Tag erleben.“
Robert schaute ihn irritiert an. „Welche Wahrheit?“
Noah griff in seine Jackentasche und holte einen Ausweis hervor, Robert konnte den vollständigen Namen nicht lesen, wohl aber die Organisation der er angehörte – Heimatschutz.
Sie sind Bundesagent?“, Mike schaute ihn skeptisch an, auch er hatte den Ausweis sofort erkannt.
Bin. War. Wer weiß das schon.“
Ok, Herr Bundesagent. Was können sie uns zu all dem hier sagen?“ Vivian machte einen weit ausholende Geste, die das verbrannte Gebäude, die Untoten und sie alle einschloss.
Nehmt euch was zu Essen, dass könnte jetzt länger dauern.“
Ein paar Minuten später saßen sie alle im Halbkreis um Noah, der sich auf einen Stein im Schatten des LKW niedergelassen hatte. Robert biss in den ersten von einer handvoll Erdnussriegel, Vivian und Mike fielen über Trockenfrüchte und Kekse her. Ben dagegen erfreute sich, zur Verwunderung aller, an trockenem Knäckebrot.
Ich werde ein wenig weiter ausholen und es mag ein wenig sonderbar klingen. Aber es fing vor ein paar Wochen an. Es gibt ja immer wieder die Wissenschaftler die versuchen zu beweisen, dass es Gott und damit auch Jesus nie gegeben hat. Nun,“ Er schaute erwartungsvoll in die Runde, ob jemand darüber in den Nachrichten gelesen hatte. Dem war nicht so. „die Kirche war bereit das Turiner Grabtuch untersuchen zu lassen. Scheinbar gab es aber ein Missgeschick und es wurde wirklich das echt Turiner Grabtuch untersucht.“ Er lachte leicht manisch, doch außer ihm verstand in dem Moment keiner die Ironie eines 'echten' Tuches nach Jahrzehnten der Leugnung, dass es ein falsches gab. „Jedenfalls fand man Überreste eines Virus, der schon 2000 Jahre alt war und schickte ihn an führende Virologen in Frankreich, Japan und den USA. Während die Japaner und Franzosen nicht so Recht etwas damit anfangen konnten. Sie gaben zu das es beeindruckend war so etwas zu finden, aber eine neue Erkenntnis gewannen sie daraus nicht. Dem Team von Dr. Walter Krumble jedoch, von der Universität Denver passierte beim forschen ein Unfall. Sein Assistent schnitt sich an einem zerbrochenen Reagenzglas und die Probe wurde mit Blut verunreinigt. Dr. Krumble war entsetzt und nur das eingreifen des Assistenten verhinderte, dass er die Probe sofort vernichtete, bevor er sie sich unter dem Mikroskop ansah. Wäre der Assistent doch nur nicht so aufmerksam gewesen.“ Murmelte Noah in seinen Bart. Die Gruppe nutzte den Moment der Pause um hastig etwas zu trinken.
Unter dem Mikroskop entdeckte Dr. Krumble, dass sich die Viren beim Kontakt mit Blut wieder reaktivierten und ordnete sofort Versuche mit Ratten an um festzustellen, was das Virus mit einem lebenden Organismus tat. Alle 20 präparierten Ratten starben Minuten nach der Injektion qualvoll. Das erstaunlichste passierte jedoch nach ein paar Minuten danach.“ Gebannt hing die Gruppe an seinen Lippen, während er wild gestikulierend zu verstehen gab, dass sich seine Geschichte dem Höhepunkt näherte.
„Die Ratten standen wieder auf und waren aggressiv und blutdürstig.“
Vivian verfiel in schallendes Gelächter.
Haha, Angriff der Monsterratten.“
Ich mache keine Witze.“, zischte Noah zwischen den gepressten Lippen hervor. Robert funkelte Vivian an, die sich sofort fing. „Erzählen sie weiter, bitte.“
Man nahm eine der Versuchsratten und steckte sie mit drei nicht-infizierten in einen Käfig. Die infizierte ging sofort auf die anderen los und biss zwei davon tot. Die dritte wurde zudem das Abendessen. Auch die zwei übrigen standen nach dem Tod wieder auf. Das alles war schon sehr beängstigend die Tatsache jedoch, dass die auferstandenen Ratten keinen Herzschlag mehr hatten sorgte für eine leichte Panik unter den Wissenschaftlern. Die Ratten waren weder lebendig noch tot. Also Untot.“ Noah schaute in die Ferne und nur er wusste, wonach er Ausschau hielt. Robert musste innerlich, trotz des heiklen Themas ein wenig schmunzeln, da er schon vorher auf denselben Namen gekommen war, behielt es jedoch für sich.
Dr. Krumble wusste sofort, dass er einen wahnsinnigen Durchbruch in der Virologie geschaffen hatte, war sich jedoch der Bedrohung nicht im geringsten bewusst und so stellte er die Versuchsergebnisse sofort seinem Vorgesetzten zur Verfügung, welcher leider dafür bekannt ist aus alles und jedem eine potentielle Biowaffe zu erschaffen. Es vergingen keine zwei Tage, da war das gesamte Team um Dr. Krumble gespickt mit Militärs, die in dem neuen Virus eine endgültige Waffe gegen Al Qaida sahen. Eigentlich war es dann eine kluge Idee sich vorher an einen Impfstoff zu machen, was jedoch völlig misslang. Die Verbreitung eines so wichtigen Impfstoffes in der Bevölkerung konnte nicht dem Zufall oder der Entscheidung des einzelnen überlassen werden dachte man, also entschied man sich für eine völlig neue Methode – die Verabreichung im Trinkwasser. Klar, es gibt schon seit Urzeiten die Verschwörungstheoretiker, die behaupten wir nehmen täglich alles mögliche mit dem Wasser auf, doch es war das erste Mal das man es großflächig teste.“
Moment, Moment.“ Unterbrach ihn Robert. „Soll das heißen die finden einen 2000 Jahre alten Virus, der Lebewesen zu Untoten macht und kommen auf die bescheuerte Idee den Impfstoff einfach ins Trinkwasser zu mischen ohne ihn vorher ausgiebig zu testen?“ Er schlug die Hände über dem Kopf zusammen.
Er wurde getestet – an Ratten. Und auch an ein paar freiwilligen Militärs. Aber man wollte es schnell hinter sich bringen, bevor er in falsche Hände gerät. Die Tests verliefen ausgezeichnet und es schien ein voller Erfolg zu werden, bis sich am achten Tag einer der Soldaten beim rasieren schnitt. Man hatte in dem ganzen Wirrwarr vergessen, wir reden hier von der Entdeckung bis zum Impfstoff von weniger als 3 Wochen, dass wir Wasser nicht nur zum trinken verwenden. Der Impfstoff zeigte in Verbindung mit Blut dieselben Reaktionen, wie der Virus selbst und der eine Soldat löschte an dem Tag 350 Mann Besatzung des Militärstützpunktes aus.“
Ihr habt es dann nicht sofort abgeblasen?“ Mike war zornig wegen solch einer Idiotie.
Es war zu spät, der Impfstoff befand sich zu dem Zeitpunkt seit dem Morgen in Umlauf und das Unglück nahm seinen Lauf.“
Fassungslos saß die Gruppe dar. Zu schwer war zu begreifen, was sie da gehört hatten.
Warum wurde niemand gewarnt?“ Robert war mehr als wütend.
Es ging zu schnell, viel zu schnell. Selbst hochrangige Politiker hatten keine Chance. Von deren Familien ganz zu schweigen.“
Robert stand auf und trat gegen einen Reifen. „Das ist doch totaler Wahnsinn.“
Warum sind sie auf dem Weg nach Seattle?“, wollte Vivian wissen. Sie war erstaunlich ruhig geblieben, während der Erzählung.
Ah, eine ausgezeichnete Frage.“ Noah wischte sich Tropfen aus seinem Bart.
Ich hatte den Auftrag Patient X in Denver aufnehmen und nach Seattle bringen. Von dort bricht in..“, er schaute auf seine Armbanduhr. „41 Tagen ein Flugzeugträger mit den letzten Überlebenden nach Japan auf. Wir haben zwar jeglichen Kontakt verloren, aber immer noch die Hoffnung das dieses zähe kleine Völkchen eine Methode gefunden hat sich gegen dieses Schlamassel abzukapseln. Und wir dachten mit Patient X könnten sie vielleicht auch nach einem Heilmittel forschen.“
Seattle also.“ Damit stand ihr Plan fest. Sie mussten dieses Schiff erreichen. Alle wussten das, er konnte es in ihren Augen ablesen.
Wo ist Patient X?“
Tja, Mike. Ich würde sagen er wartet immer noch angekettet in meinem Kofferraum.“
Robert nickte rüber zu den Kanistern im LKW. „Sie wollen wieder zurück und ihn holen?“
Nein, ich glaube nicht, dass die eine Verwendung für ihn haben. Ohne Loch im Kopf vielleicht, aber so keinesfalls.“ Niemand traute sich nachzufragen wie es dazu gekommen war.
Sollen wir sie ein Stück mitnehmen?“ Es war von Vivian mehr als eine Art Höflichkeit zu verstehen.
Vielen Dank, aber nein. Ich schnappe mir ein Auto und probiere den Weg nach San Fransisco. Meine Schwester und ihre beiden Mädchen könnten vielleicht noch irgendwo sein.“
Er schaute traurig in die Ferne. Robert war sich sicher, dass Noah wusste wie verschwindet klein die Hoffnung war doch es war das einzige was den Agenten noch am Leben hielt.
Dann wünschen wir ihnen bei der Suche viel Glück. Vielleicht treffen wir uns ja in Seattle wieder.“

Eine Stunde später hatte Noah alles gepackt was er brauchte. Er überließ den Vieren die Hälfte des Sprits und der Lebensmittel. „Robert?“
Ja?“
Noah streckte ihm seine Karte hin auf deren Rückseite er das Wort -Luke- und die Zahlenkombination 4223 geschrieben hatte.
Luke?“
Der Name der Operation zur Erhaltung der Weltbevölkerung.“
Ist das eine Anspielung auf 'Star Wars- Eine neue Hoffnung'?“ Robert blinzelte gegen die Sonne.
Hey, ich hab für den Vergleich drei Tage gebraucht. Nicht schlecht. Die Zahlen in Verbindung mit meinem Namen sollten ihnen ein Ticket an Bord sichern.“
Danke, Noah.“
Sie beiden Männer gaben sich die Hand und Noah übergab dabei Robert eine kleine Pistole.
„Brauchen sie die nicht selbst?“
Noah tippte auf seine Schrottflinte. „Mehr als eine gleichzeitig kann ich eh nicht halten. Noah winkte noch einmal in die Runde, dann ging er ruhigen Schrittes zu einem der Autos.

"Wo ist Noah?", wollte Ben wissen.
"Noah ist abgereist. Er will seine Familie suchen." Vivian strich ihm übers Haar.
"Treffen wir ihn wieder?"
"Ich weiß es nicht, Ben. Ich hoffe es. Er scheint ein netter Typ zu sein, auch wenn er für die falschen Leute gearbeitet hat.“ Sie drehte sich um und sah zu Robert,
der prüfte die Waffe die ihm Noah gegeben hatte. Es war ein einfaches Modell ohne Schnick-Schnack und das war genau das richtige. Nun hatten sie zumindest auf mittlere Distanz eine Chance und müssten nicht in den Nahkampf.
Mike schnappte sich den Kanister und eine Tasche mit Lebensmitteln und die Gruppe ging zurück zu ihrem Auto. Robert dankte dem italienischem Autobauer dafür, dass ihr Gefährt so spritsparend war. Die erste Schicht übernahm diesmal Vivian, die es gar nicht erwarten konnte dort abzureisen.

1 Kommentar:

  1. Hy,

    die Story ist sehr spannend und gut geschrieben ...
    mach weiter so!

    freue mich auf das neue Kapi!

    mfg Spinne

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